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Fünf E-Mail-Fragen an Felicia Zeller

Denkstrukturen und Gefühlsmotorik

1. Ihr neues Drama, Titel: "Mülheim" – worum geht es?

Um einen Postboten.

2. Welchen Einfluss haben Wettbewerbe wie der in Mülheim auf Ihre Kunst?

Die Nominierung in Mülheim sollte weniger mich beeinflussen, als den Rest der Welt, dem zu eventuell vielleicht circa (geschätzt) 99,54 % noch nicht aufgefallen ist, wie großartig etc. und so weiter.

3. Was ist für Sie ein gutes Drama?

Der Sprechakt an sich ist die Handlung.

Die Sprache zeigt Denkstrukturen und/oder Gefühlsmotorik.

4. Welches ist Ihre Lieblingsstelle (-szene, -zitat) aus "Kaspar Häuser Meer"?

Meine Lieblingsstelle ist die Rede, die Barbara am Ende von NEUNTENS anstartet. Rede, Appell, Lamento, Selbstverteidigung: Lieblings- und Hauptelemente all meiner Stücke.

"Was bilden sich diese Leute DIESE PARANOIDEN QUERULANTEN denen man sowieso nie LEUTE denen wir jahrelang Unterstützung gewährt, für deren Kinder DIE WERDEN SCHON SEHEN, WAS SIE HINTERHER RAUSKRIEGEN. Da sollte man sie eigentlich vorwarnen, dass sie sich da mal nicht täuschen. Das geht nach hinten los.
Die ganze Stadt GANZ DEUTSCHLAND wird
über diese Familie lästern, alle werden auf einmal Bescheid wissen / oder denken, Bescheid zu wissen, aber nicht DAS MÜSSEN DIE FADENS NICHT GLAUBEN über den Inhalt gerichtlicher Entscheide oder Feinheiten im Umgang mit dem Amt, SONDERN NUR dass das Jugendamt in diese Familie eingegriffen hat, dass das Jugendamt in diese Familie eingreifen hat greifen müssen, dass es da Probleme mit den Kindern UND DAS SOLLTE MAN DEN FADENS VIELLEICHT VORHER MITTEILEN dass es sich deshalb um eine asoziale Familie handeln muss.
Das ist das, was Deutschland EGAL WAS GESENDET WIRD!
Das sollte A die Familie Faden wissen und B das sollte auch der Schnecke-Müller DER MENSCH sieht doch sowieso nur, was er will. Und? Was will er sehen? Eine Familie, die noch asozialer ist als seine! Leute, denen es noch dreckiger geht! Eltern, die noch unfähiger sind! Familien, die noch kaputter!"

5. Wie wünschen Sie sich den Umgang eines Regisseurs mit Ihren Stücken?

Jedes meiner Stücke ist eine komplette Partitur und Sägearbeit. "Bier für Frauen" beschreibt (zum Beispiel) einen völlig anderen Zustand als (zum Beispiel) "Club der Enttäuschten". Der Sprachmotor ist ein jeweils spezieller. Wer diesen Motor versteht und laufen lässt, kann ansonsten machen, was er will.
Wie immer auch hier Ausnahme und Einschränkung: Meine Texte sind nur scheinbar realistisch, man muss sie an einer fiesen Kante zum Realismus, nicht realistisch abspielen.

Weitere Texte in unserem Zeller-Dossier: Stückkritik und Autorenporträt.

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