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Sechs E-Mail-Fragen an Theresia Walser

Zwischen Komik und Abgrund

1. Eine spielerische Frage: Ihr neues Drama, Titel: "Mülheim" – worum würde es gehen?

In Mülheim habe ich meinen ersten Kormoran gesehen. Im Sommer 2000 habe ich von der Brücke hinunter an der Ruhr einen Kormoran sitzen sehen, der dort seine weit ausgestreckten Flügel getrocknet hat, was einem gleich das Gefühl gab, mitten in Mülheim ein bisschen in Afrika zu sein. Dieser Kormoran sitzt inzwischen in "Morgen in Katar" irgendwo zwischen Karlsruhe und Freiburg.

2. Welchen Einfluss haben Wettbewerbe wie der in Mülheim auf Ihre Kunst?

Mülheim ist wie jeder Wettbewerb auch ein Stück weit eine Lotterie, also ein Glücksspiel, und beim Schreiben ist man derart beschäftigt mit den sich aufdrängenden Geschichten der Figuren, dass solche Gedanken gar keinen Platz haben, zumal sie auch am Schreiben nichts ändern könnten.

3. Was ist für Sie ein gutes Drama?

Ein in sich geschlossenes, und zwar in dem Sinne, dass es alles bloß Aktualistische übersteigt und ein sprachliches Eigenleben besitzt.

4. Welches ist Ihre Lieblingsstelle (-szene, -zitat) aus "Morgen in Katar"?

Ein derartiges Verhältnis, dass ich meine Stücke in Lieblingsszenen und Stellen einteilen kann, habe ich nicht dazu. Man ist zu sehr verwickelt ins Ganze.

5. Wie wünschen Sie sich den Umgang der Regie mit Ihren Stücken?

Er sollte ein Ohr für den Rhythmus und Klang der Sprache haben und den Figuren keine voreiligen Diagnosen stellen müssen, sie in ihren Ambivalenzen belassen, das heißt, in einer Schwebe, die sich nicht entscheiden muß zwischen Komik und Abgrund.

6. Was hat Sie an Schirin Khodadadians Inszenierung Ihres Textes überrascht?

Das Bühnenbild. Ich hatte mir den Raum immer horizontal vorgestellt.

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