| Drucken |

Sechs E-Mail-Antworten auf eine zentrale Frage

Was ist ein gutes Drama?

Die fünf Juroren entscheiden, welches für sie das beste der eingeladenen Dramen ist und damit den Mülheimer Dramatikerpreis erhält. Wir haben die Autoren selbst gefragt, was für sie ein gutes Drama ausmacht. Hier alle sechs Antworten aus unseren E-Mail-Interviews:

Fritz Kater: es lässt mich nicht schlafen.

René Pollesch: Ich würde einen dramatischen Gedanken, der vielleicht auf einer Bühne geäußert werden könnte, vorziehen.

Laura de Weck: Ein gutes Drama handelt von existentiellen Grundfragen des Mensch-Seins, deshalb kann es alle Menschen aller Schichten ansprechen.
Ein gutes Drama benutzt in seiner Sprache die Mittel des Theaters.

Felicia Zeller: Der Sprechakt an sich ist die Handlung. Die Sprache zeigt Denkstrukturen und/oder Gefühlsmotorik.

Ewald Palmetshofer: Man kann hier nicht so schnell eine Kriteriologie für gutes Drama bauen, falls es so etwas in dieser Klarheit und Schärfe überhaupt gibt. Vielleicht aber lässt sich ganz knapp eine Art Minimalkriterium formulieren, wie etwa die Frage, ob ein dramatischer Text meine Weltsicht aufbricht, meinen Blick auf die Dinge stört, wie ein Kratzer, eine Unreinheit am Augapfel meinen gewohnten Blick irritiert oder durchkreuzt. Dann würde gutes Drama einen Widerstand darstellen, aufgrund dessen sich die Dinge nach dem Drama nicht mehr so einfach auf ihre angestammten Plätze stellen ließen.

Philipp Löhle: Wenn es dir aus der Seele spricht, ohne dass du wusstest, dass du darüber überhaupt reden willst.

Theresia Walser: Ein in sich geschlossenes, und zwar in dem Sinne, dass es alles bloß Aktualistische übersteigt und ein sprachliches Eigenleben besitzt.

Dea Loher: wenn man es dringend von zeit zu zeit nachlesen muß; wenn man beim wiederlesen feststellt, daß man den text kennt und doch nicht kennt; wenn er ihn weiterdenkende erregung auslöst, jedesmal aufs neue.

(Die vollständigen E-Mail-Fragebögen finden Sie in den jeweiligen Dossiers zu den Autoren.)

Lesen Sie außerdem, was für die Juroren Peter Michalzik und Oliver Bukowski die Kriterien für ein gutes Drama sind und wie die Jurydebatte am Ende verlaufen ist. Wie die anderen Medien die Preisentscheidung bewerteten, lesen Sie in unserer Presseschau.

Kommentare (0)add comment

Kommentar schreiben
kleiner | groesser
 

busy