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Auswahlverfahren und Jurydebatte ...

... wie funktioniert das eigentlich?

Am Ende wird es noch mal spannend! Der letzte Höhepunkt der Theatertage ist die Abschlussdebatte, in der die fünfköpfige Preisjury im Anschluss an die letzte Festival-Vorstellung am 24. Mai öffentlich diskutiert, welche Stücke warum gut, schlecht oder sogar preiswürdig sind.

Sie haben die Wahl zwischen den acht Wettbewerbsbeiträgen, die ein (von der Jury verschiedenes) Auswahlgremium – bestehend aus den Theaterkritikern Till Briegleb, Christine Dössel, Wolfgang Kralicek, Peter Michalzik, Franz Wille – nominiert hat. Die Auswahl wird aus ca. 130 innerhalb eines Jahres in deutschsprachigen Landen uraufgeführten Stücken getroffen, die von den Gremiumsmitgliedern gelesen oder in der Inszenierung gesichtet werden.

Die Diskussion um den Dramatikerpreis wird auf der "Stücke"-Seite per Live-Streaming übertragen, so dass Sie en detail mitverfolgen können, worum sich die Juroren Oliver Bukowski (Autor), Anke Dürr (Theaterredakteurin KulturSPIEGEL), Marion Hirte (Chefdramaturgin Schauspielhaus Graz), Peter Michalzik (Redakteur Frankfurter Rundschau, Sprecher des Auswahlgremiums) und Wilfried Schulz (Intendant Schauspiel Hannover) die Köpfe heiß reden oder auch zerbrechen. Und Sie sind natürlich auch dabei wieder herzlich eingeladen, mitzudiskutieren und zu kommentieren.

Die Diskussion funktioniert dabei nach den Regeln des KO-Verfahrens, d.h. es werden zunächst in einer Abschiedsrunde von jedem Juror vier Stücke genannt, die seiner Meinung nach für den Preis nicht in Frage kommen und daraus insgesamt eine Vorauswahl für die nächste Runde getroffen: Jedes Stück, das schon jetzt drei oder mehr Gegenstimmen erhalten hat, kann den Preis nicht mehr bekommen. Danach werden in einer Pro/Contra-Runde von jedem noch mal die Argumente für und gegen die verbleibenden Stücke genannt. In einer letzten Runde gibt dann jeder Juror sein Votum für eines der Stücke ab. Der Text, der die Mehrzahl der Jurorenstimmen auf sich versammelt, bekommt den Mülheimer Dramatikerpreis.

Wir haben die Juroren Peter Michalzik und Oliver Bukowski im Vorhinein schon mal gefragt, was sie über den Stellenwert des Mülheimer Festivals und die Jury-Arbeit denken.

Außerdem können Sie hier noch einmal nachlesen, wie die Leser von nachtkritik.de und unsere Korrespondentin Dorothea Marcus die Abschlussdiskussion 2007 begleiteten, bei der die Wahl auf die Marx-Montage "Das Kapital" von Rimini Protokoll fiel. Zu Beginn der diesjährigen Theatertage haben wir noch einmal die Finalisten vom letzten Jahr zu Wort gebeten. Rimini Protokoll gewann damals mit 3:2 Jurystimmen vor "Ulrike Maria Stuart" von Elfriede Jelinek.

Die Preisentscheidung für die Riministen löste in den Feuilletons eine heftige Debatte aus – nicht zuletzt auf nachtkritik.de. Diesjahres-Juror Oliver Bukowski, selbst ehemaliger Preisträger und außerdem Lehrender für Dramatik an der UdK Berlin und in Graz, dachte für uns damals schon über "jury-art" nach und entwarf eine Dramatiker-Typologie, Michael Börgerding ging's wissenschaftlich an und forderte damit Nachfragen und Widerspruch der Leser heraus.

Wie die Leser-Kommentare auf nachtkritik.de ausfielen, als dort die Mülheim-Auswahl 2008 vermeldet wurde, und was nach User-Meinung im Mülheimer Wettbewerb fehlt, erfahren Sie außerdem hier.

(ap)

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