festival extra

Auch wenn die acht Wettbewerbsdramen im Mittelpunkt stehen – Mülheim ist mehr: Eröffnung, Symposium, Stückefest, Zaimoglu-Lesung. Wir sind überall dabei und berichten.

   

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Liebesbrand – Feridun Zaimoglu liest im Theater an der Ruhr aus seinem neuen Roman

Wirklichkeit? Schnell weg da!

von Wolfgang Behrens

18. Mai 2008. Feridun Zaimoglu liest: In der einen Hand hält er ein Wasserglas, an dem er manchmal nippt, um seiner Stimme ihre leicht nasale Geschmeidigkeit zu erhalten, mit der anderen Hand dirigiert er seinen Vortrag. Die Hand folgt dem Rhythmus – oder gibt sie ihn vor? –, sie phrasiert, formt und fährt nach, sie skulpturiert aus den Worten plastische Figuren. Und manchmal wippt auch der Oberkörper leise mit, oder der Kopf.

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Heute beginnen die "Kinderstücke" – das Theaterfestival für die Kleinen ist ein erfolgreiches Beispiel ästhetischer Nachwuchsförderung

Theater ist Pflicht

von Esther Boldt

14. Mai 2008. Spätestens seit PISA stoßen kluge kulturelle Ambitionen auch in der Politik auf offenere Ohren. Denn wo sich Eltern aus Kostengründen oder Desinteresse wenig um die kulturelle Bildung ihrer Kinder kümmern, muss dies der Staat verstärkt tun. Positive Auswirkung in Mülheim: Im letzten Jahr wurde der "Stücke"-Etat um 80.000 Euro aufgestockt. Das Land Nordrhein-Westfalen erhöhte den Zuschuss für das Festival um 40.000 Euro, die Stadt Mülheim legte noch einmal die gleiche Summe drauf. Praktisch bedeutete das die Neueinrichtung des Symposiums, des "Fests" – und der "Kinderstücke". Seit der Gründung der "Stücke" hatte es immer wieder auch Kindertheateraufführungen gegeben, 2007 haben diese einen festen Platz im Festival-Rahmenprogramm erhalten.

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Das Symposium "Im Treibhaus der Generationen" untersuchte während der Stücke '08 das Verhältnis von Jung und Alt – dessen Zukunft bleibt offen

Warum gleich ein Kampf der Kulturen?

von Esther Boldt

12. Mai 2008. Die Diagnose ist eindeutig: Die Politik und Medien beschreiben das Verhältnis der Generationen als angespannt. Im Generationenkonflikt geht es mit klassenkämpferischer Gebärde um die Verteilung von Ressourcen, öffentlichen Geldern und Arbeitsplätzen. Auch beim Symposium "Im Treibhaus der Generationen" wurde einmal mehr deutlich, dass hier nicht nur Verhandlungsbedarf, sondern Handlungsbedarf besteht. Schon zum zweiten Mal fand im Rahmen der "Stücke" ein Symposium statt, das inhaltlich eng an den Spielplan anschloss, der mit Themen wie perspektivloser Jugend ("Heaven"), dem RAF-Diskurs ("Liebe ist kälter…") sowie der verstümmelten, medialisierten Sprache ("Lieblingsmenschen") aufwartete. Folgerichtig konzipierte Frank Raddatz drei Tage zum Thema Generationen.

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Nach einer Woche Festival wird im Theater an der Ruhr "Das Fest" gefeiert – und wie!

Würstchen und Wunder

von Jan Oberländer

10. Mai 2008. Die Sonne scheint, und es gibt Eiscreme umsonst, jedenfalls eine Kugel, während die Schlagzeug-Scherzkekse "The Drumbassadors" vor dem Theater an der Ruhr eine neugierige Menschenmenge zusammentrommeln. Fahrräder werden abgestellt, Programmzettel studiert, Fotoapparate gezückt. Nach einer Woche "Stücke"-Festival beginnt auf der Bühne und im Grünen hinter dem Theater ein Fest, "Das Fest" nämlich, mit einem Programm bis in die Nacht.

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Bei einem Symposium am Theater an der Ruhr wird drei Tage lang "Im Treibhaus der Generationen" diskutiert

Ohne Renten und Visionen

von Esther Boldt

9. Mai 2008. Der Titel klingt bereits brenzlig: "Im Treibhaus der Generationen". Frank M. Raddatz hat ein dreitätiges Symposium für die "Stücke '08" konzipiert, das sich einem medial bereits breit diskutierten Thema widmet. Gerade wieder werden "die 68er" breit analysiert, auch Folgegenerationen wie "Golf" und "Praktikum" klingen noch höchst vertraut. Doch was definiert eine Generation, wie stehen Generationen im Verhältnis, was zeichnet sie aus, grenzt sie ab, was wird von einer zur anderen weitergegeben, was negiert? Was könnte man als "das Projekt der Jugend von heute, das gemeinsame Welterlebnis" bezeichnen, das für Wolfgang Engler eine Gruppe Menschen eines bestimmten Alters überhaupt als im Geiste verbunden definieren würde?

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Wie das Theater beinahe die Kreditkrise verhindert hätte – die "Stücke"-Eröffnung durch Rimini Protokoll schließt eng an das Vorjahr an

Déjà vu und Wahrheit

von Morten Kansteiner

4. Mai 2008. Vor einem Jahr schossen die Signale in alle Richtungen. René Pollesch hatte den Mülheimer Dramatikerpreis 2006 gewonnen, und als erster Preisträger lieferte er einen exklusiven "Beitrag" für die Eröffnung des folgenden Festivaljahrgangs. Es wurde ein Brief, in gewisser Hinsicht. Jedenfalls ein Text voller Sehnsuchtssignale, die sich an "Eve" richteten, was sich spricht wie "Yves" und in diesem Fall den Anderen beschwört, mit dem eine Begegnung jenseits von Authentizität und Wahrheit möglich wäre. Gleichzeitig war es ein Essay mit gelegentlichen Signalen der Gelehrsamkeit: Er streifte Baudrillard, raunte vom "Phantasma der Ökonomie".

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